Neben den verwandtschaftlichen Beziehungen zu Ungarn, bestanden in der Familie von Herzog Albrecht von Bayern (1905–1996) immer dankbare Erinnerungen an das Land, das sie zur Zeit ihres politischen Exils während des II. Weltkrieges aufgenommen hatte. Nach Kriegsende war es erst 1956, mit Ausbruch des Ungarnaufstands, wieder möglich, Kontakte dorthin aufzunehmen. Von den schlimmen Nachrichten über die Not der Bevölkerung blieben Herzog Albrecht und
       

Herzogin Marita von Bayern (1904-1969) nicht unberührt und so unternahmen sie es, den leidenden Menschen dort zu helfen. Es musste jedoch vorsichtig und diskret vorgegangen werden, um die Empfänger von Hilfen nicht wegen ihrer "Westkontakte" in Bedrängnis zu bringen. Schon 1959 war die Zahl der Empfänger von Hilfslieferungen, hauptsächlich Lebensmittel, Medikamente und Sachspenden, wie gebrauchte Kleidung, auf rund 400 angestiegen. Daher war die hinzukommende Beteiligung des Quelle-Versands, der Bettwäsche und Kleidung für die Ungarnpakete beisteuerte, in diesen frühen Jahren eine sehr hilfreiche und willkommene Unterstützung. Um dem weiter wachsenden Hilfsbedarf nachzukommen, wurden gezielt Spendensammlungen unter Freunden und wohlwollenden Unterstützern aus Wirtschaft und Industrie organisiert. Zusätzliche Hilfe, vor allem im administrativen Bereich und bei der Beschaffung von Nahrungsmitteln und Medikamenten, kam vom Bayerischen Roten Kreuz. Gemeinsam mit dessen Landesgeschäftsführer Josef Spitzer wurde die Idee geboren, einen gemeinnützigen Verein zu gründen. Dieser sollte dabei helfen, die vielen organisatorischen Schwierigkeiten der Anfangsjahre, wie auch das Sammeln von Spenden zu erleichtern. Schon am 1. April 1964 fand die Gründungsversammlung des "Hilfsvereins Nymphenburg e.V." in München statt. Um die Verbindung zur Familie Bayern nicht offensichtlich werden zu lassen und hierdurch Empfänger von Hilfslieferungen in Gefahr zu bringen, war von der Familie bei dieser Versammlung niemand anwesend.

Josef Spitzer wurde zum 1. Vorstand und Max von Hellingrath zum 2. Vorstand gewählt. 1973 Übernahm Heinrich Hiedl das Amt des 1. Vorstandes; 1977 wurde Karl von Winckler 2. Vorstand. 1978 übernahm Karl von Winckler den Vorstandsvorsitz. Sein Nachfolger als 2. Vorstand wurde Ernst Frank, der dieses Amt 35 Jahre lang bis 2013 ausübte. 1988 übernahm Herzog Franz von Bayern den Vorsitz des Nymphenburger Hilfsvereins und damit erstmals ein Mitglied der Familie eine offizielle Funktion im Nymphenburger Hilfsverein. Zuvor hatten Familienmitglieder, wie die zweite Frau von Herzog Albrecht, Herzogin Jenke (1921-1983) vor allem im Hintergrund organisatorische Aufgaben erfüllt. Neben den genannten Vorständen und den Mitgliedern war die dritte tragende Säule des Hilfsvereins das Kuratorium, dem im Gründungsjahr so bedeutende Persönlichkeiten wie Alfons Goppel, Hans Dedi, Hans Erhard, Wilhelm Hoegner, Alois Hundhammer, Wilhelm Reuschel und Hans-Jochen Vogel angehörten. Letzterer ist noch heute Mitglied im Kuratorium. Von Beginn an war es dem Hilfsverein Nymphenburg ein wichtiges Anliegen, ehrenamtliche Helfer für die Tätigkeiten im Verein zu gewinnen. Die eingehenden Spenden sollen so ungeschmälert wie nur möglich bedürftigen Personen und Einrichtungen zukommen. Ebenso war es von Anfang an ein grundlegendes Prinzip des Hilfsvereins, den persönlichen Kontakt zu den Hilfsbedürftigen, zu Gewährsleuten und zu Partnern und Partnerorganisationen in den Empfängerländern aufzubauen und zu unterhalten. Regelmäßige Besuche der Vorstände vor Ort stellen sicher, dass jederzeit ein aktueller Einblick in die Projekte und die sachgerechte Verwendung der Spendenmittel gewährleistet ist und gleichzeitig schnelle unbürokratische Entscheidungen gefällt werden können. Besonders in den frühen Jahren des Vereins wurden alte, kranke und alleinstehende Menschen, die unter dem Existenzminimum leben mussten, mit individuellen Hilfen unterstützt. Die vielen, noch heute erhaltenen Dankesbriefe bezeugen das unvorstellbare Ausmaß der materiellen und häufig auch psychischen Not dieser Zeit. Zuwendungen erfolgten seinerzeit hauptsächlich über Alimex, einer staatlich genehmigten Organisation, über die vorverzollte Lebensmittelpakete, Einkaufsgutscheine und auch Bargeld an Empfänger in Ostblockländern geschickt werden konnten. Zusätzlich wurden Besuchern, die nach Ungarn zurückreisten, erlaubte Bedarfsartikel mitgegeben und über private Absender deklarierte Geschenkpakete auf dem normalen Postweg versandt. Die finanziellen Mittel des Hilfsvereins stammen aus verschiedenen Quellen. Noch heute kommt ein wesentlicher Anteil der Mittel von langjährigen privaten Spendern. Aber auch Unternehmen, Institutionen und Stiftungen haben sich gegenüber dem Hilfsverein Nymphenburg über Jahrzehnte hinweg immer sehr aufgeschlossen gezeigt und seine Tätigkeit finanziell unterstützt. Besonders in den Anfangsjahren wurden mit verschiedenen Initiativen zusätzliche Spenden eingeworben. In Belgien veranstaltete beispielsweise Erzherzogin Anna Gabriele von Österreich mit ihrer Organisation Aider Autrui jährlich einen großen Wohltätigkeitsball. Später unterstützte auch die Fondation Roi Baudouin in Belgien den Hilfsverein. Aber auch in München wurden mit Wohltätigkeitsveranstaltungen wie den Ungarnbällen und mit Konzerten Spenden für den Hilfsverein gesammelt.
Nicht unerwähnt soll bleiben, dass der Hilfsverein seit vielen Jahren auch eine sehr großzügige Unterstützung von der Edith-Haberland-Wagner-Stiftung erhält, deren verstorbener Vorsitzender Ferdinand Schmid selbst über viele Jahre im Kuratorium war. Und seit 1993 gelingt es auch, mit Hilfe einer jährlichen Briefaktion erhebliche Spendenmittel zu erhalten.
 
 
 
  
Eine jährliche Broschüre informiert seit 1993 über die umfassende Tätigkeit des Nymphenburger Hilfsvereins und die jeweils aktuellen Projekte. Neben dem Schwerpunkt Rumänien waren dies in den vergangenen Jahrzehnten vor allem Projekte in Ungarn, Polen, Bulgarien, Albanien, der Slowakei, sowie in Südamerika und Afrika.
 
 
 
  
Der Bezug zu Afrika entstand auch durch Pater Florian von Bayern OSB, der schon seit Jahrzehnten im Auftrag seines Ordens in der nördlichsten Region Kenias am Turkanasee als Missionar wirkt. Schon im Jahr 2006 unterstützte der Hilfsverein in Zusammenarbeit mit AMREF ein Ausbildungsprogramm für Ärzte im Südsudan. Als 2011 eine große Hungersnot in Ostafrika ausbrach, setzte der Hilfsverein hier einen neuen Schwerpunkt seiner Tätigkeit. Seither wurden, vor allem in den Regionen Marasabit und Turkana mit der Hilfe von Sternstunden e.V. etliche Projekte verwirklicht, wie der Neubau des Mädcheninternates, Schulen für Nomadenkinder und verschiedene Projekte zur Wasserversorgung.
Als sich die politischen Verhältnisse in den ehemaligen Ostblockländern grundlegend änderten und diese Länder wieder bereist werden konnten, wurde Herzog Franz von Bayern auf einer gemeinsamen Reise mit Erzherzogin Anna Gabriele und Erzherzog Michael von Österreich 1989 nach Ungarn und Rumänien schnell klar, dass die bisherigen Individualhilfen nicht ausreichten, um die Not zu lindern. In der Folge erweiterte der Hilfsverein seine Tätigkeit auch auf Hilfeleistungen an staatliche und kirchliche Institutionen im Bereich Altenpflege und Kinderarbeit. Eines der ersten Projekte, das der Hilfsverein wesentlich unterstützte, war 1991 das Altenheim in Gheorgheni in Rumänien. In Zusammenarbeit mit der Caritas Linz und Aider Autrui wurde ein Neubau des Altenheims errichtet. Ab 1992 kamen ständig weitere Projekte in Rumänien dazu, vor allem Altenheime und Waisenhäuser. Eine umfangreiche Zusammenarbeit und Unterstützung gab es auch mit der - und für - die Caritas in Bukarest und Suceava.
Neben einer Sozialstation wurden eine Apotheke und eine Sozialküche errichtet. Dort können Bedürftige eine warme Mahlzeit erhalten und sich beraten lassen, wie sie ihre soziale und wirtschaft -liche Situation verbessern können. Aber auch in anderen Bereichen engagiert sich der Hilfsverein. So unterstützt er seit 1996 verschiedene Straßenkinderprojekte in Bukarest und betreibt seit 2005 gemeinsam mit dem Roten Kreuz Vrancea ein Pilotprojekt in Marasesti, wo für die dortige Bevölkerungsgruppe der Roma dringend benötigte neue Gebäude zur medizinischen und sozialen Betreuung entstanden.
 
Das Engagement des Hilfsvereins in Afrika auszubauen, ohne die bisherigen Schwerpunkte des Hilfsvereins in den ehemaligen Ostblockländern zu vernachlässigen, ist ein großes Anliegen
von Prinz Ludwig von Bayern, der sich seit 2008 intensiv für den Hilfsverein Nymphenburg engagiert hat. Um die Fortsetzung der Tätigkeit des Hilfsvereins dauerhaft sichern zu können, wurde am 2. August 2013 die „Stiftung Hilfsverein Nymphenburg“ gegründet. Die Trägerschaft der Hilfsprojekte wurde im Laufe des Jahres 2014 auf die Stiftung übertragen. Prinz Ludwig übernahm den Vorsitz der Stiftung und Stephan Freiherr von Warsberg die Stellvertretung. Der Verein wird als Förderverein weiter bestehen bleiben und hat mit Freiherr Motiz von der Heydte und Charlotte von Bomhard einen zuverlässigen und fähigen Vorstand bekommen. Den Vorsitz im Stiftungsrat hat Herzog Franz von Bayern übernommen.
Zuvor hat Herr Ernst Frank, unterstützt von seiner Ehefrau Gertraud, einen Großteil der praktischen Arbeit des Hilfsvereins mit beeindruckendem Engagement bewältigt. Dem Ehepaar Frank gilt an dieser Stelle besonderer Dank! 
Für Jahrzehnte der selbstlosen und aufopfernden Hilfe zur Verwirklichung unserer Projekte in Rumänien danken wir Frau Irina Craciun. Sie hat wesentlich dazu beigetragen, dass der Hilfsverein die Verhältnisse in Alten- und Kinderheimen sowie in Krankenhäusern in Bukarest und Umgebung, aber auch in der Bukovina deutlich verbessern konnte.